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Dienstag, 03. Mär 2020, 18:30 Uhr

Das Domstift in der kirchlichen Ordnung 1948 bis 1989 - Rechtliche Integration eines frühen „dritten Ortes“

Vortrag Dr. Martin Richter

1946 beschloss die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg für das Domstift Brandenburg eine neue Satzung, nachdem der Staat die Kirchenpatronate aufgehoben und festgestellt hatte, dass das Domstift kirchlicher Satzungsgewalt und Aufsicht unterstand. Das Domstift wurde damit – im Einvernehmen von Staat und Kirche – erstmals seit Jahrhunderten als Teil der kirchlichen Rechtssphäre beschrieben.
Nach der Verabschiedung der Satzung stellte sich die Frage, welchen Ort das Domstift im geschriebenen Kirchenrecht einnehmen sollte. Der Vortrag geht der Frage nach, wie die Integration des Domstifts kirchenrechtlich ausgestaltet wurde. Dabei müssen wir
berücksichtigen, dass die Rahmenbedingungen für Kirchenrechtsetzung und -anwendung in der DDR völlig andere als in der Bundesrepublik.
Die Frage der kirchenrechtlichen Integration des Domstifts erinnert an eine durchaus aktuelle Problematik: In welcher tatsächlichen wie rechtlichen Beziehung stehen christliche Organisationen außerhalb von Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche zur Kirche? Man kann die Situation des Domstifts als einen frühen Modellfall für die rechtliche Beziehung der Landeskirche zu den kirchlichen „Dritten Orten“ lesen.

Dr. Martin Richter studierte Rechtswissenschaft in Marburg und Hannover und promovierte über ein verwaltungsrechtsgeschichtliches Thema. Er leitet im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Abteilung für Allgemeines Kirchenrecht, IT und Wissensmanagement. Im Nebenamt ist er Mitglied des Vorstands des Evangelischen Instituts für Kirchenrecht an der Universität Potsdam und hält dort sowie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität regelmäßig Lehrveranstaltungen zum Kirchenrecht und zur Kirchenrechtsgeschichte.

Veranstaltungsort: Sommerrefektorium des Domstifts Brandenburg, Burghof 8

Eintritt frei, Spenden herzlich erbeten.