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Familie von Alvensleben übergibt mittelalterliche Kunstwerke dem Dommuseum

Die Familie v. Alvensleben übergab am 17.8. zwei mittelalterliche Kleinode, einen goldenen Ring und einen vergoldeten, silbernen Abendmahlskelch dem Domstift Brandenburg zur Verwahrung. Die Familie v. Alvensleben ist seit dem 15. oder 14. Jahrhundert im Besitz eines einfachen goldenen Ringes, an den eine Ringsage geknüpft ist. Der Kelch ist eine sehr schöne Arbeit des um 1400 in Gardelegen nachweisbaren Goldschmieds Henrico Horne.

Die älteste schriftliche Nachricht über diesen Ring datiert aus dem Jahr 1575. Die älteste schriftliche Fassung der Ringsage von 1581 dürfte aber vorher schon über viele Generatio-nen mündlich überliefert worden sein.

Nach der Ringsage, die u.a. die Brüder Grimm 1816 in ihre Sagensammlung aufnahmen, half eine Frau v. Alvensleben auf der Burg Kalbe an der Milde einer Frau bei der Geburt eines Kindes und erhielt als Dank einen goldenen Ring mit der Verheißung: Solange die Familie diesen Ring in Ehren hält, wird es dem Geschlechte wohl ergehen. Mündlich ist dann überliefert, dass der Ring in drei Teile geteilt worden sei und die ehemals drei Linien der Familie von Alvensleben je ein Drittel des Ringes besaßen. Die rote Linie missachtete ihren Ring und starb aus, die weiße Linie vergoldete mit dem Ring einen Kelch, der dieser Linie zeitweise abhandenkam, und wäre fast ausgestorben, während die schwarze Linie ihren Teil immer sorgfältig bewahrte und deshalb weiter blühte und wuchs.

Der Ring und der Kelch befanden sich bis 1945 in Erxleben (Landkreis Börde) und wurden kurz vor der russischen Besetzung in den Westen gebracht. Bis 2008 wurden sie im Domschatz von Paderborn aufbewahrt und dann dem Domschatz von Halberstadt zur weiteren Verwahrung übergeben, die im letzten Jahr endete.

Die Familie von Alvensleben freut sich, dass ihre Kleinodien nunmehr im Domstift Brandenburg eine neue Heimstatt findet. Zahlreiche Mitglieder der Familie haben in Brandenburg als Zöglinge der Ritterakademie ihre Prägung fürs Leben erhalten. Der Ring oder der Kelch, die viele Generationen der Familie von Alvensleben über Jahrhun-derte in Ehren gehalten haben, sind ein Symbol für den Wert des Bewahrens eines Erbes – nicht eines materiellen Erbes, sondern eines geistigen und kulturellen Erbes, das der Familie ihre Identität gibt.

Dr. Cord-Georg Hasselmann, der Kurator des Domstifts Brandenburg, freut sich über den Auftrag zur Verwahrung dieser rund 600 Jahre alten Kunst- und Kultgegenstände: „Die Bewahrung des kulturellen Erbes ist Kernauftrag des Domstifts. In diesem Sinne verwahren wir sehr gerne Ring und Kelch, die mit der Familie von Alvensleben historisch und sagenhaft verbunden sind.“

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