Geschichte auf Augenhöhe
Nach der Begrüßung, mit der Betonung auf die Freude über die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen TU Berlin und Domstift, begann der Rundgang zu den Grabplatten durch den Dom.
Unser Dom St. Peter und Paul bewahrt eine Vielzahl von ausdrucksstarken Grabmälern und Grabplatten, den ursprünglichen Deckeln, welche die im Boden des Kirchenraumes eingelassenen Grabgewölbe nach oben hin verschlossen. Im Zuge verändernder Baumaßnahmen im 19. Jahrhundert wurden diese Grabplatten entfernt und vertikal an den Wänden aufgestellt. Im Dom kann man den Verstorbenen somit heute „auf Augenhöhe“ begegnen.
Die Student:nnen des Instituts für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik, die sich im Rahmen eines Projektseminars unter der Leitung von Stephanie Schüler und mit der Unterstützung von Stefanie Krüger vom Dommuseum und Domstiftsarchivarin Konstanze Borowski intensiv mit 13 ausgewählten Grab- und Gedenkplatten beschäftigt hatten, präsentierten ihre detailreich ausgearbeiteten Forschungsergebnisse.
Die umfangreichen Ausarbeitungen umfassten die Beschreibungen und Interpretationen einzelner Platten, sowohl im Mittel- und Querschiff als auch im Kreuzgang. Des Weiteren verknüpften die Studierenden das Dargestellte der Grabplatten mit dem jeweiligen historischen Hintergrund, den Biografien der gezeigten Personen, sowie den Bestattungs- und Gedächtnistraditionen, aber auch mit den politischen Ereignissen zu deren Lebzeiten.
Die Großzahl der Grabplatten stammt von Gräbern verstorbener Geistlicher, die einst hier am Dom tätig waren. Eine Besonderheit ist die Gedenkplatte für das totgeborene Zwillingspaar Brösike aus dem Jahr 1623, das vor dem Durchgang zum südlichen Querschiff aufgestellt ist. Ungetauften zu gedenken war zu jener Zeit äußerst unüblich.
Die Vielzahl an unterschiedlichen Geschichten, die durch das genauere Betrachten der Grab- und Gedenkplatten erzählt werden können, ist wahrlich beeindruckend. Das Material der Platte, die Qualität der künstlerischen Ausarbeitung, der Erhaltungszustand, der Bildinhalt – wie Personendarstellungen, Wappen, attributive Gegenstände, Schmuckelemente und Inschriften – nichts davon ist zufällig.
Diese Bildelemente teilen uns viel mehr über die verstorbenen Personen mit, als man zunächst vielleicht glaubt.
Kommen Sie gerne selbst vorbei und begegnen Sie einem Stückchen Geschichte auf Augenhöhe!

